Otamatone.club
StartseiteSeltene Instrumente › Erhu

Erhu: Chinas Zweisaitengeige, Die Wie Eine Menschliche Stimme Klingt

Was die Erhu ist, wie ihr bundloser Hals funktioniert, ihre Geschichte seit der Tang-Dynastie und was ein gutes Einsteigermodell kostet.

Aktualisiert: 14. September 2026

Mann spielt eine Erhu, Chinas Zweisaitengeige, sitzend auf einer Parkbank
Die Erhu wird im Sitzen gespielt, aufrecht auf dem Oberschenkel abgestützt, wobei der Bogen zwischen den beiden Saiten läuft.

Kurzantwort

Die Erhu ist ein chinesisches Streichinstrument mit nur zwei Saiten, einem Resonanzkörper, der traditionell mit Haut (meist Pythonhaut) bespannt ist, und einem Hals ohne Bünde oder Griffbrett: Die Saiten schweben frei in der Luft. Der Rosshaarbogen läuft zwischen den beiden Saiten, niemals außerhalb. Als "chinesische Geige" bekannt, prägt ihr stimmenähnlicher Klang Soundtracks wie Mulan oder Kung Fu Panda. Ein Einsteigermodell kostet 50-150 €.

Erhu bei Amazon ansehen →

Was ist eine Erhu

Die Erhu (二胡) ist ein Streichinstrument aus der Huqin-Familie, der großen Gruppe asiatischer Stachelgeigen. Auf den ersten Blick wirkt sie wie eine kleine, senkrecht gehaltene Geige, doch ihr Aufbau ist grundlegend anders: Sie hat nur zwei Saiten, meist auf D4 und A4 gestimmt (im Quintabstand, wie die beiden tiefsten Saiten einer Bratsche), und einen kleinen sechs- oder achteckigen Resonanzkörper, der traditionell an einem Ende mit Pythonhaut bespannt ist.

Das ungewöhnlichste Merkmal der Erhu ist ihr Hals ohne Bünde und ohne Griffbrett: Die Saiten berühren an keiner Stelle das Holz, sie schweben vollständig frei in der Luft. Der Spieler drückt die Saite nicht gegen einen Hals wie bei Geige oder Gitarre, sondern presst sie mit der Fingerkuppe gegen sich selbst. Das bedeutet: Es gibt keinerlei physischen Referenzpunkt dafür, wo sich welcher Ton befindet — alles hängt vom geschulten Gehör und dem Muskelgedächtnis ab.

Eine weitere Besonderheit: Der Rosshaarbogen läuft zwischen den beiden Saiten hindurch, nicht außerhalb wie bei einer Geige. Das zwingt dazu, beide Saiten mit demselben Bogen zu streichen und dabei ständig Druck und Winkel zu kontrollieren, damit nur die gewünschte Saite klingt.

Kurz notiert: Weil sie stimmliche Nuancen imitieren kann — sogar ein Weinen oder Klagen — wird die Erhu oft als das Instrument beschrieben, das in der chinesischen Musik der menschlichen Stimme am nächsten kommt.

Geschichte: von der Tang-Dynastie bis zu Hollywood-Soundtracks

Die Erhu stammt von Streichinstrumenten namens Xiqin ab, die während der Tang-Dynastie (7.-10. Jahrhundert) von zentralasiatischen Völkern nach China gebracht wurden. Diese frühen Stachelgeigen kamen über die Handelsrouten des Nordens und Westens ins Land und verschmolzen nach und nach mit der chinesischen Musiktradition.

Während der Song- und Yuan-Dynastie wurde die heutige Form des Instruments standardisiert, und in der Qing-Dynastie (17.-20. Jahrhundert) war es bereits eine tragende Säule sowohl der Peking-Oper als auch der Volksmusik der südlichen Provinzen. Im 20. Jahrhundert schaffte die Erhu den Sprung ins Konzertrepertoire, dank Komponisten und Interpreten, die ihre Technik und Rolle im modernen chinesischen Orchester erweiterten.

Das bekannteste Stück des Repertoires ist "Erquan Yingyue" (Der Mond spiegelt sich in der zweiten Quelle), komponiert vom blinden Straßenmusiker Abing (Hua Yanjun) Anfang des 20. Jahrhunderts. Heute erklingt der melancholische, stimmenähnliche Klang der Erhu auch in westlichen Soundtracks wie Mulan, Kung Fu Panda, Tiger and Dragon oder Der Fluch der goldenen Blume, und sie ist regelmäßig Star viraler Social-Media-Auftritte.

Nahaufnahme des Wirbelkastens einer Erhu mit den beiden hölzernen Stimmwirbeln
Der Wirbelkasten der Erhu hat nur zwei Wirbel, einen pro Saite.

Wie man die Erhu spielt: erste Schritte

  1. Haltung: Setzen Sie sich und stützen Sie den zylindrischen Sockel der Erhu (genannt Qintong) senkrecht auf dem linken Oberschenkel ab, der Hals zeigt nach oben.
  2. Bogenhaltung: Halten Sie den Bogen mit der rechten Hand, wobei die Finger innerhalb des Haars verlaufen, da dieses zwischen den beiden Saiten läuft, nicht außerhalb.
  3. Linke Hand frei in der Luft: Setzen Sie die Finger ohne jeden hölzernen Anhaltspunkt auf die Saiten; die Position jedes Tons wird auswendig gelernt, geleitet vom Gehör.
  4. Drücken, nicht greifen: Um den Ton zu wechseln, drücken Sie die Saite gegen sich selbst (nicht gegen den Hals) und gleiten Sie mit dem Finger entlang.
  5. Bogenwinkel kontrollieren: Ein leichtes Kippen des Handgelenks lässt das Haar die eine oder andere Saite streifen, ohne den Bogen zu wechseln.
  6. Vibrato üben: Ein sanftes Wiegen des Fingers auf der klingenden Saite verleiht der Erhu ihre charakteristische "stimmliche" Ausdruckskraft.

Tipp: Die größte Hürde für Anfänger ist nicht die Bogenhand, sondern die Töne ganz ohne physischen Anhaltspunkt zu finden. Das Üben mit einem visuellen Stimmgerät in den ersten Wochen beschleunigt das Lernen erheblich.

Was kostet eine Erhu: Vergleich 2026

Übersicht der verfügbaren Stufen nach Materialqualität und Verarbeitung:

Stufe Preis ca. Resonanzhaut Ideal für
Einsteiger 50-150 € Synthetisch Start ohne große Investition
Fortgeschritten 150-500 € Synthetisch oder einfache Pythonhaut Schüler mit 1-2 Jahren Übung
Professionell 500-2.000+ € Pythonhaut (je nach Vorschrift) Konzert und Aufnahme
Hinweis zu Pythonhaut: Der internationale Handel mit echter Pythonhaut unterliegt dem CITES-Abkommen. Die meisten Einsteiger- und Fortgeschrittenenmodelle verwenden heute synthetische Haut mit sehr ähnlichem Klang und ohne Importbeschränkungen.

Erhus ansehen → Bogen-Kolophonium →

Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Käufen, ohne Mehrkosten für Sie.

Nahaufnahme eines Rosshaarbogens, der die beiden Saiten einer Erhu spielt
Der Bogen läuft zwischen den beiden Saiten, niemals außerhalb — eine Besonderheit, die die Erhu unter Streichinstrumenten einzigartig macht.

Erhu vs. Geige vs. Musiksäge: drei "andersweltliche" Klänge

Im Vergleich zu anderen Streichinstrumenten, die Sie vielleicht schon kennen, nimmt die Erhu eine eigene Nische ein:

Erhu

  • Saiten: 2, ohne Griffbrett
  • Klang: nasal, vokal, melancholisch
  • Typische Nutzung: traditionelle chinesische Musik, asiatisch geprägte Soundtracks
  • Preis: 50-2.000+ €

Geige

  • Saiten: 4, über einem Griffbrett
  • Klang: hell, projiziert, vielseitig
  • Typische Nutzung: Klassik, Folk, Pop, praktisch jedes westliche Genre
  • Preis: 60 €-mehrere Tausend €

Musiksäge

  • Saiten: keine — eine flexible Stahlklinge
  • Klang: ätherisch, ähnlich einem Theremin
  • Typische Nutzung: amerikanische Folkmusik, Horror- und nostalgische Filmmusik
  • Preis: 15-150 €

Fazit: Wer den Klang sucht, der einer singenden menschlichen Stimme am nächsten kommt, liegt mit der Erhu klar richtig. Wer Vielseitigkeit für jedes Genre will, greift natürlich zur Geige. Und wer sich für Ungewöhnliches und Erschwingliches begeistert, findet in der Musiksäge den günstigsten Einstieg in "andersweltliche" Klänge.

Erhu in Aktion: Video-Tutorial

Dieses Tutorial zeigt die Grundhaltung, wie man den Bogen zwischen den beiden Saiten hält und wie man die ersten sauberen Töne erzeugt:

Häufig gestellte Fragen zur Erhu

Was ist eine Erhu?

Ein chinesisches Streichinstrument der Huqin-Familie mit zwei im Quintabstand gestimmten Saiten, einem mit Haut bespannten Resonanzkörper und einem Hals ohne Bünde oder Griffbrett. Der Bogen läuft zwischen den beiden Saiten. Sie wird als "chinesische Geige" bezeichnet.

Wie spielt man die Erhu?

Senkrecht auf dem Oberschenkel abgestützt, der Rosshaarbogen läuft zwischen den beiden Saiten, und Töne entstehen, indem die Saite frei in der Luft gegen sich selbst gedrückt wird, ganz ohne Griffbrett-Referenz. Alles hängt vom Gehör und Muskelgedächtnis ab.

Ist die Erhu schwer zu lernen?

Ja, sie zählt zu den anspruchsvollsten Streichinstrumenten für Anfänger, da keine Bünde oder ein Griffbrett die Töne markieren. Ein erster Ton ist schon in der ersten Sitzung möglich, präzise Intonation braucht aber Monate an Übung.

Was kostet eine Erhu?

Einsteigermodell mit synthetischer Haut: 50-150 €. Fortgeschritten: 150-500 €. Professionell, handgefertigt mit Pythonhaut (je nach Vorschrift): ab 500 €, teilweise über 2.000 €.

Warum hat die Erhu keine Bünde oder ein Griffbrett?

Ein einzigartiges traditionelles Merkmal: Die Saiten schweben frei in der Luft und werden gegen sich selbst gedrückt, nicht gegen Holz. Das ermöglicht sehr ausdrucksstarke Glissandi und Vibrato ähnlich der menschlichen Stimme, erfordert aber mehr Gehörkontrolle.

Worin unterscheidet sich die Erhu von der Geige?

2 statt 4 Saiten, kein Griffbrett, aufrecht auf dem Oberschenkel statt unter dem Kinn, und der Bogen läuft zwischen statt außerhalb der Saiten. Die Erhu klingt nasaler und vokaler; die Geige heller und projizierter.

Woher kommt die Erhu?

Sie stammt von den Xiqin ab, Streichinstrumenten, die von zentralasiatischen Völkern während der Tang-Dynastie nach China gebracht wurden. Sie wurde während der Song- und Yuan-Dynastie standardisiert und war während der Qing-Dynastie eine Säule der Peking-Oper.

In welchen Filmen ist die Erhu zu hören?

In Mulan, Kung Fu Panda, Tiger and Dragon und Der Fluch der goldenen Blume, unter anderem, wo ihr nasaler, melancholischer Klang eine chinesische Atmosphäre schafft.

Weitere kuriose Instrumente entdecken

Seltene Instrumente Sitar Musiksäge Kalimba