Kurzantwort
Die Ondes Martenot sind eines der ersten elektronischen Musikinstrumente, erfunden von Maurice Martenot im Jahr 1928. Sie erzeugen Klang mit elektronischen Oszillatoren und werden über eine Klaviatur und einen verschiebbaren Ring auf einem Band gesteuert, was durchgehende Glissandi und ein sehr ausdrucksstarkes Vibrato ermöglicht. Ihr geisterhafter, stimmenähnlicher Klang ist mit dem Theremin verwandt, erlaubt aber eine wesentlich präzisere Stimmung.
Was sind die Ondes Martenot?
Die Ondes Martenot (französisch für „Martenot-Wellen“) sind ein monophones elektronisches Instrument (eine Note gleichzeitig), erfunden vom französischen Musiker und Ingenieur Maurice Martenot und vorgestellt in Paris im Jahr 1928. Es ist einer der absoluten Pioniere der elektronischen Musik, zeitgleich mit dem Theremin (1920) und vor den Synthesizern, die erst Jahrzehnte später kommen sollten.
Anders als bei einem Klavier oder einer Gitarre, wo der Klang von einer Saite oder einem Hammer kommt, erzeugen die Ondes Martenot Klang mit elektronischen Oszillatoren (ursprünglich Vakuumröhren). Das verleiht ihnen einen reinen, durchgehenden, „körperlosen“ Klang, der sofort wiedererkennbar ist: Viele beschreiben ihn als eine ferne menschliche Stimme oder einen überirdischen Klang.
Das Instrument wird seit Mitte des 20. Jahrhunderts offiziell am Pariser Konservatorium gelehrt, was erklärt, warum so viele französische Kompositionen es enthalten. Es ist zugleich ein Stück Technikgeschichte und ein vollständig aktives Konzertinstrument.
Wer sich für regelbrechende Instrumente begeistert, findet bei den Ondes Martenot dieselbe „charmante Seltenheit“ wie beim Theremin, dem Stylophone oder dem Otamatone selbst: ausdrucksstarke elektronische Instrumente, die auf eine Weise gespielt werden, wie es sonst kein anderes Instrument tut.
Funktionsweise: Klaviatur, Band und Intensitätsschublade
Was die Ondes Martenot einzigartig macht, ist ihr Steuerungssystem, das mit beiden Händen gleichzeitig gespielt wird:
Klaviatur und Band (rechte Hand)
Die rechte Hand hat zwei Spielmöglichkeiten. Sie kann eine traditionelle Klaviatur (au clavier-Modus) drücken, die zusätzlich so montiert ist, dass jede Taste seitlich bewegt werden kann, um mit dem Finger ein natürliches Vibrato zu erzeugen. Oder sie nutzt den Band-Modus (au ruban): Der Spieler verschiebt einen am Finger getragenen Metallring (die Bague) entlang eines gespannten Bandes parallel zur Klaviatur und erzeugt so durchgehende Glissandi ohne Stufen, wie eine gestimmte Sirene.
Die Intensitätstaste (linke Hand)
Die linke Hand steuert die touche d’intensité, eine druckempfindliche Taste in einer kleinen Schublade links. Sie erzeugt keine Noten: Sie formt Lautstärke und Anschlag jedes Klangs in Echtzeit. Dank ihr kann der Spieler eine Note aus dem Nichts erscheinen lassen, anschwellen, vibrieren und ausklingen lassen, mit außergewöhnlicher dynamischer Kontrolle. Dieses „Atmen“ des Klangs ist der große Unterschied zum Theremin.
Die Diffuseure
Der Klang kommt aus speziellen Lautsprechern (diffuseurs). Der berühmteste ist die Palme: ein leierförmiger Diffuseur mit Resonanzsaiten, die dem Klang einen harmonischen Schimmer verleihen. Andere nutzen einen Metallgong oder eine Platte, die einen natürlichen Hall hinzufügt. Der Wechsel der Diffuseure verändert die Klangfarbe des Instruments vollständig.
Ondes Martenot vs. Theremin: Was ist der Unterschied?
Es ist der unvermeidliche Vergleich, da beide in den 1920er-Jahren entstanden und denselben ätherischen Klang teilen. Doch sie werden auf sehr unterschiedliche Weise gespielt:
| Aspekt | Ondes Martenot | Theremin |
|---|---|---|
| Jahr | 1928 | 1920 |
| Tonhöhensteuerung | Klaviatur + Ring auf Band | Berührungslos (Antennen) |
| Stimmpräzision | Hoch | Sehr schwierig |
| Dynamiksteuerung | Intensitätstaste | Lautstärkeantenne |
| Lernkurve | Mittel-hoch | Hoch |
Kurz gesagt: Das Theremin ist optisch spektakulärer (es wird in der Luft gespielt), aber die Ondes Martenot bieten wesentlich mehr Kontrolle, indem sie eine physische Klaviatur, ein Band für Glissandi und eine eigene Dynamiktaste kombinieren. Wenn du mit einem elektronischen Instrument dieser Art beginnen möchtest, ohne ein Vermögen auszugeben, lies unseren Theremin-Guide oder entdecke das Stylophone.
Geschichte: von 1928 bis Radiohead
Maurice Martenot, Cellist und Funker im Ersten Weltkrieg, war fasziniert von den reinen Klängen der Radioröhren. Diese Erfahrung führte ihn dazu, ein Instrument zu entwerfen, das die Ausdruckskraft eines akustischen Instruments mit der Neuartigkeit des elektronischen Klangs verband. Er ließ es patentieren und stellte es 1928 vor.
Der Komponist Olivier Messiaen war sein großer Fürsprecher: Er gab ihm eine zentrale Rolle in seiner monumentalen Turangalîla-Symphonie (1948), in der die Ondes Martenot jenen schwebenden Klang liefern, der über das gesamte Orchester hinwegzieht. Seitdem haben Dutzende Komponisten des 20. Jahrhunderts für das Instrument geschrieben.
Auch das Kino griff früh darauf zurück: Ihr „geisterhafter“ Klang passte perfekt zu den Science-Fiction- und Horrorfilmen der 1950er und 1960er Jahre. Und im 21. Jahrhundert erlebte es dank Jonny Greenwood, Gitarrist von Radiohead, eine zweite Jugend: Er hat es auf Bandalben und in seinen Filmmusiken eingesetzt und das Instrument zurück in die Popkultur gebracht.
Kann man heute eines spielen oder kaufen?
Originalinstrumente sind äußerst selten und teuer, im Grunde Museums- und Sammlerstücke. Deshalb sind moderne Nachbauten entstanden:
- Physische Nachbauten wie das Ondéa, die Klaviatur, Band und Intensitätstaste mit heutiger Elektronik reproduzieren.
- Software-Emulationen (VST/AU-Plugins), die den Klang für computerbasierte Musikproduktion nachbilden.
- Bandcontroller und moderne Synthesizer mit Touch-Strip, die Martenot-artige Glissandi ermöglichen.
Wenn dich vor allem reizt, mit einem ausdrucksstarken elektronischen Klang zu experimentieren, ohne viel auszugeben, gibt es wesentlich zugänglichere Einstiegsinstrumente: das Theremin, das Stylophone oder das herrlich alberne Otamatone teilen diesen Geist des „kuriosen elektronischen Instruments“ zu einem einsteigerfreundlichen Preis.
Häufig gestellte Fragen
Was sind die Ondes Martenot?
Eines der ersten elektronischen Instrumente, erfunden von Maurice Martenot 1928. Sie erzeugen Klang mit elektronischen Oszillatoren und werden über eine Klaviatur und einen verschiebbaren Ring auf einem Band gesteuert, was Glissandi und ein sehr ausdrucksstarkes Vibrato ermöglicht.
Wie unterscheiden sie sich vom Theremin?
Das Theremin wird berührungslos gespielt, indem man die Hände nahe an zwei Antennen bewegt, und ist sehr schwer zu stimmen. Die Ondes Martenot haben eine Klaviatur und ein Band, sodass die Stimmung wesentlich präziser ist, plus eine eigene Taste zur Steuerung von Lautstärke und Anschlag.
Wie werden sie gespielt?
Mit beiden Händen: Die rechte drückt die Klaviatur oder verschiebt den Ring am Band; die linke formt Lautstärke und Anschlag mit der Intensitätstaste. Spezielle Diffuseure (wie die Palme mit Resonanzsaiten) färben den Klang.
Wo wurden sie eingesetzt?
In der klassischen Musik (Messiaens Turangalîla-Symphonie), in Filmmusik und im zeitgenössischen Pop-Rock, besonders mit Jonny Greenwood (Radiohead). Sie werden am Pariser Konservatorium gelehrt.
Kann man heute eines kaufen?
Originale sind Museumsstücke. Es gibt moderne Nachbauten (wie das Ondéa) und Software-Emulationen. Um mit einem ausdrucksstarken, günstigen elektronischen Klang zu beginnen, sind Theremin, Stylophone oder Otamatone zugängliche Alternativen.
Warum klingen sie so geisterhaft?
Sie kombinieren reine elektronische Oszillatoren mit sehr feiner Kontrolle von Vibrato und Dynamik, was einen durchgehenden, stimmenähnlichen, gleitenden Klang ohne perkussiven Anschlag erzeugt. Deshalb nutzte ihn das Science-Fiction- und Horrorkino so oft.