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Ondes Martenot: Was es ist, wie es klingt und seine Geschichte

Eines der ersten elektronischen Instrumente der Welt: seine Tastatur, sein gleitendes Band, sein ätherischer Klang und warum es Kino und klassische Musik verzauberte.

Aktualisiert: 24. Juni 2026

Vintage-Elektronikinstrument mit Tastatur, ähnlich den Ondes Martenot

Kurzantwort

Die Ondes Martenot sind eines der ersten elektronischen Musikinstrumente der Welt, erfunden von Maurice Martenot im Jahr 1928. Sie erzeugen Klang mit elektronischen Oszillatoren und werden mit einer Tastatur und einem gleitenden Ring auf einem Band gesteuert, was durchgehende Glissandos und ein sehr ausdrucksstarkes Vibrato ermöglicht. Ihr gespenstischer, vokaler Klang ist ein Verwandter des Theremins, jedoch mit weit größerer Tonhöhenpräzision.

Was sind die Ondes Martenot?

Die Ondes Martenot sind ein monophonisches elektronisches Musikinstrument (eine Note gleichzeitig), erfunden vom französischen Musiker und Ingenieur Maurice Martenot und erstmals 1928 in Paris vorgestellt. Sie zählen zu den absoluten Pionieren der elektronischen Musik, sind zeitgleich mit dem Theremin (1920) und älter als Synthesizer, die erst Jahrzehnte später kamen.

Anders als ein Klavier oder eine Gitarre, bei denen der Klang aus einer Saite oder einem Hammer entsteht, erzeugen die Ondes Martenot den Klang mit elektronischen Oszillatoren (ursprünglich Elektronenröhren). Das verleiht ihnen ein reines, kontinuierliches, „körperloses" Timbre, das unverwechselbar ist – viele beschreiben es als eine ferne menschliche Stimme oder übernatürlichen Klang.

Das Instrument wird seit Mitte des 20. Jahrhunderts offiziell am Pariser Konservatorium gelehrt, was erklärt, warum so viele französische Partituren es enthalten. Es ist zugleich ein Stück Technikgeschichte und ein vollwertiges Konzertinstrument.

Wenn Sie von Instrumenten fasziniert sind, die die Regeln brechen, teilen die Ondes Martenot diese bezaubernde Fremdartigkeit mit dem Theremin, dem Stylophone oder dem wundersamen Otamatone – ausdrucksstarke elektronische Instrumente, die auf sehr ungewöhnliche Weise gespielt werden.

Funktionsweise: Tastatur, Band und Ausdrucksschublade

Was die Ondes Martenot einzigartig macht, ist ihr Steuerungssystem mit beiden Händen gleichzeitig:

Tastatur und Band (rechte Hand)

Die rechte Hand hat zwei Spielmodi. Sie kann eine herkömmliche Tastatur (Modus au clavier) drücken – jede Taste kann sich zusätzlich seitlich bewegen, um ein natürliches Vibrato mit dem Finger zu erzeugen. Oder sie nutzt den Bandmodus (au ruban): Der Spieler schiebt einen metallenen Ring (la bague) am Finger entlang eines gespannten Bandes parallel zur Tastatur und erzeugt so durchgehende Glissandos ohne Sprünge, wie eine perfekt gestimmte Sirene.

Die Intensitätstaste (linke Hand)

Die linke Hand bedient die touche d'intensité, eine druckempfindliche Taste in einer Schublade links. Sie erzeugt keine Töne, sondern regelt Lautstärke und Anschlag jedes Klangs in Echtzeit. Dank ihr kann der Musiker eine Note aus der Stille erscheinen, wachsen, vibrieren und verklingen lassen – mit außergewöhnlicher dynamischer Kontrolle. Dieses „Atmen" des Klangs ist der große Unterschied zum Theremin.

Die Diffusoren

Der Klang tritt aus speziellen Lautsprechern (Diffusoren) aus. Der bekannteste ist die Palme: ein lyraförmiger Diffusor mit Saiten, die sympathetisch mitschwingen und dem Klang einen harmonischen Glorienschein verleihen. Andere verwenden einen Metallgong oder eine Platte für natürlichen Nachhall. Ein Wechsel des Diffusors verändert die Klangfarbe des Instruments vollständig.

Synthesizer und Elektronikmusik-Equipment im Studio, Nachfolger der Ondes Martenot
Die Ondes Martenot ebneten den Weg für alle spätere elektronische Musik, von Synthesizern bis zu heutigen Plugins.

Ondes Martenot vs. Theremin: Was ist der Unterschied?

Der Vergleich liegt nahe, da beide in den 1920er Jahren entstanden und dieses ätherische Timbre teilen. Aber sie werden sehr unterschiedlich gespielt:

MerkmalOndes MartenotTheremin
Jahr19281920
TonhöhenkontrolleTastatur + Ring auf BandBerührungslos (Antennen)
IntonationsgenauigkeitHochSehr schwierig
DynamikkontrolleIntensitätstasteVolumantenne
EinstiegsschwierigkeitMittel-hochHoch

Kurz: Das Theremin ist visuell spektakulärer (wird in der Luft gespielt), aber die Ondes Martenot bieten durch die Kombination aus physischer Tastatur, Band für Glissandos und dedizierter Dynamiktaste wesentlich mehr Kontrolle. Wenn Sie mit einem elektronischen Instrument dieser Art anfangen möchten, ohne ein Vermögen auszugeben, lesen Sie unseren Theremin-Ratgeber oder entdecken Sie das Stylophone.

Geschichte: Von 1928 bis Radiohead

Maurice Martenot, Cellist und Funkoperateur im Ersten Weltkrieg, war fasziniert von den reinen Klängen der Elektronenröhren in Funkgeräten. Diese Erfahrung veranlasste ihn, ein Instrument zu entwickeln, das die Ausdruckskraft eines akustischen Instruments mit dem Neuartigen des elektronischen Klangs verbindet. Er ließ es patentieren und stellte es 1928 vor.

Komponist Olivier Messiaen war sein größter Förderer: Er setzte es zentral in seiner monumentalen Turangalîla-Symphonie (1948) ein, wo die Ondes Martenot dieses hinreißende Timbre liefern, das über dem gesamten Orchester schwebt. Seitdem haben Dutzende Komponisten des 20. Jahrhunderts für das Instrument geschrieben.

Auch das Kino adoptierte es früh: Sein „gespenstisches" Timbre war perfekt für Science-Fiction und Horror der 1950er und 1960er Jahre. Im 21. Jahrhundert erlebte es eine zweite Jugend dank Jonny Greenwood, Gitarrist von Radiohead, der es auf Band-Alben und für Filmmusiken einsetzte und das Instrument so in die Populärkultur zurückbrachte.

Musiker spielt live auf einem elektronischen Instrument, in der Tradition der Ondes Martenot
Der vokale, gleitende Klang der Ondes Martenot machte sie in Film und Konzertmusik populär.

Kann man sie heute spielen oder kaufen?

Die Originalinstrumente sind äußerst selten und teuer – praktisch Museumsexponate. Deshalb sind moderne Nachbauten entstanden:

  • Physische Repliken wie das Ondéa, die Tastatur, Band und Intensitätstaste mit moderner Elektronik nachbilden.
  • Software-Emulationen (VST/AU-Plugins), die ihren Klang für die Musikproduktion am Computer nachbilden.
  • Bandcontroller und moderne Synthesizer mit Touchstrip, die Glissandos im Martenot-Stil ermöglichen.

Wenn Sie mit einem ausdrucksstarken elektronischen Klang experimentieren möchten, ohne viel Geld auszugeben, gibt es weit zugänglichere Instrumente: das Theremin, das Stylophone oder das herrliche Otamatone teilen alle den Geist des „seltenen elektronischen Instruments" zu einem anfängerfreundlichen Preis.

Häufig gestellte Fragen

Was sind die Ondes Martenot?

Eines der ersten elektronischen Instrumente, erfunden von Maurice Martenot im Jahr 1928. Sie erzeugen Klang mit elektronischen Oszillatoren und werden mit einer Tastatur und einem gleitenden Ring auf einem Band gesteuert.

Wie unterscheiden sie sich vom Theremin?

Das Theremin wird ohne Berührung gespielt, Intonation ist sehr schwierig. Die Ondes Martenot haben Tastatur und Band, bieten weit präzisere Tonhöhenkontrolle, plus eine dedizierte Taste für Lautstärke und Anschlag.

Wie werden sie gespielt?

Mit beiden Händen: die rechte drückt die Tastatur oder schiebt den Ring auf dem Band; die linke regelt Lautstärke und Anschlag mit der Intensitätstaste. Spezielle Diffusoren (wie die Palme mit Resonanzsaiten) färben das Timbre.

Wo wurden sie eingesetzt?

In klassischer Musik (Messiaen, Turangalîla-Symphonie), Filmmusiken und zeitgenössischem Pop-Rock, besonders mit Jonny Greenwood (Radiohead). Am Pariser Konservatorium gelehrt.

Kann man sie heute kaufen?

Originale sind Museumsstücke. Moderne Nachbauten (wie das Ondéa) und Software-Emulationen existieren. Für ausdrucksstarken elektronischen Klang mit kleinem Budget sind Theremin, Stylophone oder Otamatone zugängliche Alternativen.

Warum klingen sie so gespenstisch?

Reine elektronische Oszillatoren kombiniert mit feiner Vibrato- und Dynamikkontrolle erzeugen einen durchgehenden, vokalen, gleitenden Klang ohne perkussive Anschläge — was ferne Stimmen oder übernatürliche Atmosphären heraufbeschwört.

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