Die Drehleier ist ein Radstreichinstrument, auch bekannt als Hurdy-Gurdy auf Englisch, Vielle à Roue auf Französisch und Zanfona auf Spanisch. Im Gegensatz zur Violine, bei der der Spieler einen Bogen von Hand führt, wirkt bei der Drehleier ein drehendes Holzrad, das mit Kolophonium bestrichen ist, als kontinuierlicher Bogen und streicht gleichzeitig mehrere Saiten, während der Musiker eine Kurbel dreht.
Die Melodie wird mithilfe einer kleinen Tastatur aus Holztasten (Tangenten) erzeugt, die beim Drücken die Melodiesaite an verschiedenen Punkten verkürzen und so die Tonhöhe verändern — ähnlich wie Finger auf den Bünden einer Gitarre. Gleichzeitig klingen mehrere Begleit-Saiten (Bordunsaiten) kontinuierlich und erzeugen das charakteristische Brummen, das die Drehleier unverwechselbar macht.
Die Drehleier hat dokumentierte Ursprünge im mittelalterlichen Europa, zwischen dem 11. und 12. Jahrhundert. Die frühesten schriftlichen Belege finden sich in Dokumenten des 10. Jahrhunderts wie der Alia Musica. Die ersten greifbaren Instrumente stammen aus dem 12. Jahrhundert. Ursprünglich Organistrum genannt, war das Instrument so groß, dass zwei Musiker benötigt wurden: einer drehte die Kurbel und einer bediente die Tasten.
Im 12. und 13. Jahrhundert entwickelte sich die Drehleier zu einem kleineren, handlicheren Instrument — der Chifonie oder Symphonia — das eine einzelne Person spielen konnte. In dieser Epoche war sie bei Troubadouren und fahrenden Musikern in ganz Europa sehr beliebt.
Nach einem Niedergang zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert erlebte die Drehleier im 18. Jahrhundert in Frankreich eine spektakuläre Renaissance, als der Hof von Versailles sie als modisches aristokratisches Instrument adoptierte. Im 20. Jahrhundert brachte die Folk- und Mittelaltermusikbewegung die Drehleier zurück auf die Bühnen.
Heute ist sie ein vollkommen lebendiges Instrument, das in der zeitgenössischen Musik eine erstaunliche Reichweite gefunden hat — von mittelalterlichen Musikgruppen über Folk-Bands bis hin zu Metal-Künstlern wie Heilung oder In Extremo, die die Drehleier einem ganz neuen Publikum vorgestellt haben.
Das Herzstück des Instruments. Ein Holz- oder Kohlefaserrad, am Umfang leicht gewölbt und mit Kolophonium bestrichen (derselbe Stoff, der für Geigenbögen verwendet wird). Durch Drehen der Kurbel mit der rechten Hand streicht das Rad alle Saiten gleichzeitig und versetzt sie kontinuierlich in Schwingung. Der entscheidende Unterschied zum herkömmlichen Bogen: der Klang hört nie auf, solange die Kurbel gedreht wird.
Die Saiten, auf die die Tastatur wirkt. Normalerweise gibt es 1 oder 2 Melodiesaiten (im Einklang gestimmt für mehr Volumen). Die Tastatur — mit der linken Hand bedient — drückt diese Saiten an verschiedenen Punkten, verkürzt ihre Schwingungslänge und ändert die Tonhöhe. Moderne Drehleiern haben zwischen 23 und 26 Tasten.
Diese Saiten klingen immer auf derselben Tonhöhe und werden nicht von der Tastatur beeinflusst. Sie erzeugen das berühmte Hintergrundbrummen der Drehleier, ähnlich dem Drone-Effekt eines Dudelsacks. Typischerweise gibt es 2 bis 4 Bordunsaiten in verschiedenen Registern.
Die eigentümlichste Besonderheit des Instruments. Das sind 1 oder 2 Saiten mit einem absichtlich losen Steg, dem Chien (Französisch für 'Hund'). Dieser Steg liegt instabil auf dem Resonanzboden. Durch Variation der Kurbelgeschwindigkeit oder des Drucks schlägt der Steg rhythmisch auf das Holz und erzeugt einen Perkussionseffekt — ein rhythmisches Rattern, das die markanteste Klangunterschrift der Drehleier ist und zur Markierung des Rhythmus in mittelalterlicher Tanzmusik und Folk verwendet wird.
Der Klang der Drehleier ist nasal, resonant und tief evokativ. Der kontinuierliche Bordun verleiht ihr eine hypnotische Qualität ähnlich dem Dudelsack oder der Sitar; die Melodiesaiten haben einen rohen, obertönreichen Klang; und der Chien fügt ein Percussion-Element hinzu, das die Drehleier zu einem vollständigen, eigenständigen Instrument für die Begleitung von Tänzen macht.
Heute hat die Drehleier ihren Platz in sehr unterschiedlichen Musikstilen gefunden: Mittelalterliche Musik, Folk (Keltisch, Französisches Bal Folk, Spanisch, Ungarisch), und überraschenderweise auch im Metal, Dark Folk und experimenteller Musik — Bands wie Heilung, In Extremo und Faun haben sie einem völlig neuen Publikum vorgestellt.
In Deutschland erlebt die Drehleier dank der lebendigen Mittelaltermarkt- und Folk-Szene eine bemerkenswerte Renaissance. Bands wie In Extremo und Faun haben die Drehleier aus dem Bereich der historischen Musik in den Mainstream des deutschen Mittelalter-Rock und Pagan-Folk gebracht und damit eine neue Generation von Spielern und Fans inspiriert.
Deutschland hat eine wachsende Gemeinschaft von Drehleier-Spielern und -Bauern. Mittelalterliche Märkte wie das Spectaculum, das Wacken Middle Ages oder der Kaltenberger Ritterturnier bieten regelmäßig Auftritte mit Drehleiern an. Einige der bekanntesten deutschen Drehleier-Bauern sind in Bayern und Baden-Württemberg ansässig.
Für Lernende bieten Folk-Festivals und Mittelalterevents Workshops an. Zudem gibt es in Deutschland eine wachsende Anzahl von Online-Ressourcen und Gemeinschaften, die beim Einstieg in das Instrument helfen.
| Typ | Eigenschaften | Für wen |
|---|---|---|
| Einsteiger (Industrie) | Serienproduktion, 6-7 Saiten, diatonische Tastatur, günstiges Holz | Anfänger, Neugierige |
| Folk (traditionell) | Handgefertigt, Gitarren- oder Lautenkörper, 7-8 Saiten, chromatisch, ausgewählte Materialien | Mittelstufen- und fortgeschrittene Folk-Spieler |
| Mittelalterliche Replik (Organistrum) | Historische Bauweise, seitlicher Drehschlüssel, 3-4 Saiten, zwei Musiker | Spezialisierte Alte-Musik-Gruppen |
| Elektrische Drehleier | Mit internen Tonabnehmern oder Mikrofonen, bereit für Live-Verstärkung | Folk-Bands, Mittelalter-Rock, Festivals |
| Handgefertigte Drehleier vom Luthier | Auf Bestellung gefertigt, edle Hölzer (Ahorn, Fichte, Palisander), höchste Qualität | Profis und Sammler |
Die beste Option. Suche nach Drehleier-Lehrern an Folk-Musikschulen oder über Mittelaltermusik-Vereine. Präsenzunterricht ermöglicht es, Haltung, Kurbeltechnik und die Verwendung des Chien von Anfang an zu korrigieren.
Mittelalterliche und Folk-Festivals bieten regelmäßig Drehleier-Workshops an. In Deutschland sind besonders das Spectaculum, das Wacken Middle Ages und verschiedene Mittelaltermärkte hervorzuheben. In Frankreich bieten das Festival des Nuits de Nacre und Cordes en Fête hervorragende Intensivkurse.
YouTube bietet ausgezeichnete Ressourcen, besonders auf Englisch und Französisch. Empfehlenswerte Kanäle: Patty Gurdy (zugänglich für Anfänger), Hurdy Gurdy Handbook (fortgeschrittene Techniken). Für Tabulaturen und angepasste Noten ist die Website hurdygurdy.de eine ausgezeichnete Ressource.
Die Facebook-Gruppe Hurdy Gurdy Players vereint Tausende von Drehleierspielern aus aller Welt. In Deutschland gibt es auch lokale Folk-Vereine und Mittelaltermusik-Gruppen, die regelmäßige Treffen und Workshops organisieren.
Für jede qualitativ hochwertige Drehleier ist ein Luthier der richtige Weg. Französische und deutsche Luthiers sind weltweit für ihre handwerkliche Qualität bekannt. Lieferzeiten sind typischerweise 6 bis 18 Monate. Preis: ab 1.500 € bis über 6.000 €.
Online-Shops wie Folkelia (Frankreich), APC Instruments oder Folker verkaufen Einsteigermodelle und Mittelklasse-Instrumente zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis.
Einsteiger-Drehleiern sind bei Amazon im Bereich von 300 bis 600 Euro erhältlich. Dies sind Industrieinstrumente, die zum Kennenlernen des Instruments geeignet sind, bevor man in ein handgefertigtes investiert.
| Niveau | Preis (ca.) | Empfohlen für |
|---|---|---|
| Einsteiger (Industrie) | 300 – 600 € | Erste Schritte, Erkundung |
| Mittelklasse | 800 – 2.000 € | Spieler mit etwas Erfahrung |
| Handgefertigt vom Luthier | 2.000 – 5.000 € | Ernsthafte und semi-professionelle Spieler |
| High-End / Sammler | 5.000 € + | Profis, Sammler |
Dieses Video zeigt, wie die Drehleier klingt und funktioniert — eine der besten Möglichkeiten, ihre Magie zu verstehen, bevor du entscheidest, ob sie das richtige Instrument für dich ist:
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Seriengefertigtes Modell mit Holzrad, 6-7 Saiten, diatonischer Tastatur. Ideal zum Kennenlernen des Instruments, bevor man in ein handgefertigtes investiert. Enthält meist Tasche und Kolophonium.
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Optionen ansehen →Kolophonium ist genauso wichtig wie das Instrument: Ohne die richtige Qualität greift das Rad die Saiten nicht richtig. Du brauchst auch ein chromatisches Stimmgerät und Ersatzsaiten.
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Ein Radstreichinstrument (Hurdy-Gurdy auf Englisch, Vielle à Roue auf Französisch, Zanfona auf Spanisch). Ein mit Kolophonium beschichtetes rotierendes Rad streicht die Saiten kontinuierlich; eine Tastatur kontrolliert die Melodie, Bordunsaiten klingen ständig und die Trompetsaite (Chien) fügt einen rhythmischen Perkussionseffekt hinzu.
Hurdy-Gurdy (Englisch), Vielle à Roue (Französisch), Zanfona (Spanisch), Ghironda (Italienisch). Im mittelalterlichen Latein hieß sie Organistrum oder Symphonia.
Moderat. Grundlegende Töne kommen schnell, aber die Beherrschung des Chien (eingebaute Percussion), des Vibratos und der Ornamentik braucht Monate regelmäßiger Übung. Zugänglicher als die Violine, aber anspruchsvoller als Kalimba oder Ukulele.
Einsteigermodelle: 300–600 €. Mittelklasse: 1.000–2.500 €. Handgefertigte vom Luthier: ab 2.000 bis über 6.000 €. Vermeide Instrumente unter 200 € — sie sind meist von sehr schlechter Qualität.
Eine besondere Saite mit einem absichtlich losen Steg (Trompette), der bei Variation der Kurbelgeschwindigkeit rhythmisch auf den Resonanzboden schlägt und einen eingebauten Perkussionseffekt erzeugt. Die schwierigste Technik der Drehleier und ein Markenzeichen mittelalterlicher Tanzmusik.
Mittelaltermusikfestivals wie das Spectaculum oder das Wacken Middle Ages; YouTube-Tutorials (Patty Gurdy, Hurdy Gurdy Handbook); Online-Gemeinschaften wie die Facebook-Gruppe Hurdy Gurdy Players; und lokale Folk-Vereine.
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